In einem zugegeben schon älteren (aber durchaus noch in Ordnung wirkenden) Sakko fand ich neulich dieses Exponat: Es handelt sich um ein Pappkärtchen, das im Bundestags-
wahlkampf der SPD im Jahr 1998 zum Einsatz kam.
Wir erinnern uns: Am 27.09.1998 wurde Helmut Kohl nach 16 Jahren Regierungszeit abgewählt, neuer Kanzler wurde Gerhard Schröder, er regierte bis September 2005 mit Bündnis 90/Grünen. Im Mai 2005
kündigte er nach der verlorenen Landtagswahl in NRW Neuwahlen im Herbst an.
Auf der Rückseite dieser Karte - die übrigens vom damaligen Wahlkampfmanager Franz Müntefering in seiner "Kampa" entwickelt wurde - fand sich ein 10-Punkte-Programm der SPD:
War das schon die Blaupause für die 2003 verkündete Agenda 2010? Man kann darüber denken, wie man möchte, zumindest war dieses Papier visionär, wenn auch die Genossen dieses Papier kurz nach der
Wahl wegen der katastrophalen Außendarstellung gerade im ersten Regierungsjahr 1999 am liebsten wieder vergessen wollten...
Bleibt zu hoffen, dass die nun auf schlappe 20% abgesunkene Volkspartei wieder zu jener alten Stärke wie 1998 zurück findet, damit die Wähler auch tatsächlich eine "Wahl" haben...auch ohne die
Linke in einem Dreierbündnis. Mit einem starken und überzeugenden Programm und fähigen Leuten. War der SPD-Parteitag dieses Wochenende in Dresden ein möglicher Auftakt?
Hier kommt mal eine überaus harmlose, aber doch erzählenswerte Geschichte aus dem familiären Alltagswahnsinn :
DAS Lieblingskuscheltier unserer Tochter ist Teddy, und das schon seit über 5 Jahren. Teddy war eigentlich mal ein Mitbringsel für unseren Sohn, als dieser vor über acht Jahren das Licht der Welt
erblickte. Er gehörte zu den fünf damals geschenkten Kuscheltier-Spieluhren von "Sterntaler" und fristete, weil die anderen Spieluhren zuerst "an der Reihe" waren, bis zur Geburt unserer Kleinen
vor fast sechs Jahren ein Schattendasein in einem Schrank.
Dass diese Jahre eingängigen Spiels und liebevoller Kuschelei nicht spurlos an Teddy
vorüber gegangen sind, kann man sich ja vorstellen. Zwischenzeitlich mussten schon plastische Schönheitsoperationen an Pfoten und Schnauzenbereich vorgenommen werden, ansonsten - damit man den
durchwetzten Stoff nicht so sieht und er überdies "geschont" wird - wird Teddy immer fürstlich gekleidet, wie man auch auf dem Bild sehr gut sehen kann.
Seit einiger Zeit löst sich leider die Gesichtshaut, äh der Gesichtsstoff brutal ins Nichts auf, weshalb man sich schon ernsthaft Sorge machen muss.
Wer also kann helfen? Ein Teddy-Doktor? Eine Adresse ist gefunden, ein Termin ausgemacht. Zu rechnen ist mit Kosten von 50,--€ aufwärts, je nach Aufwand ("Dafür gibt es dann nichts zu
Weihnachten!"). Soviel hat Teddy nie gekostet, auch nicht, als er noch frisch, knackig und unversehrt war und ihn ein fesches Halstuch (wo ist das eigentlich ?) passend zum karierten Shirt
kleidete... Aber das darf man ja nicht sagen, ja nicht einmal denken. Das Thema "Wann geht denn Teddy endlich zum Teddy-Doktor?" verfolgt uns einige Wochen immer wieder.
Also, der Tag ist gekommen, nachdem man beide - unsere Tochter und natürlich Teddy - mental auf die OP vorbereitet hatte. Dann stehen alle drei, also Mama, Kind und Teddy gestiefelt und
gespornt vor dem Haus des sagenumwobenen Teddy-Doktors und werden trotz vereinbarten Termins nicht eingelassen, da dieser Mensch gerade nicht zuhause ist. Ärgerlich! Die weite Fahrt,
der ganze Aufwand und überhaupt... Das Kind hat deshalb extra den Kindergarten "geschwänzt".
Unsere Kleine sieht sich derweil um. Der Garten ist kreativ gestaltet, alte Computer stehen goldbemalt neben anderen Schrottutensilien, die ebenfalls künstlerisch drapiert sind. Puppenköpfe (!)
stecken auf Pfählen, am Zaun oder in den Bäumen. Spätestens da kommt unsere Kleine ins Grübeln und stellt fest: "Macht nichts, Mama, dass der nicht da ist. HIER kann Teddy sowieso nicht bleiben!!"
Spricht's, und macht sich auf den Weg. Mama kauft noch passenden Stoff für ein Heidengeld und lässt sich von unserer Kleinen erklären, man könne ja am Computer "gurgeln", wie man Teddy
zuhause operiert...
Übrigens: Nicht dass unsere Tochter kein anderes Kuscheltier hat, es wimmelt von Kuscheltieren aller Art, aber Teddy ist eben Teddy...
Wie zu befürchten, wird der Koaltionsvertrag von CDU/CSU und FDP die Verlängerung der Laufzeit von AKW regeln, allerdings recht unklar und "wischi-waschi", man möchte
sich offenbar nicht festlegen. Das könnte die Kraftwerksbetreiber erfreuen - ein Ende ist nicht absehbar - und die Gegner - vielleicht dauert es doch nicht so lange und die Sicherheitsauflagen sind
vielleicht so streng, dass es sich nicht mehr lohnt. Im Ergebnis aber wirft dieser Punkt mehr Probleme auf, die Kernkraft als Brückentechnologie könnte zum Dauerbrenner werden.
Zu den Gründen gegen Kernkraft hatte ich in meinem Blog ja schon mehrfach berichtet, zuletzt hier.
In der TAZ-online ist heute ein Artikel zur "Mär von der Renaissance der
Atomkraft" erschienen. Gerne wird ja behauptet, Atomkraft erlebe weltweit ein Comeback, nur Deutschland sei so verbohrt, "sichere AKW" einfach abzuschalten.
Die Thesen dieses Artikels sind:
- Die Zahl der Reaktoren ist weltweit seit 1989 lediglich von 423 auf 435 gestiegen. 2008 ging weltweit zum ersten Mal seit 1956 kein einziges neues Atomkraftwerk ans Netz. Zudem werden
neun Meiler weniger betrieben als noch 2002, als der historische Höchststand von 444 AKWs erreicht wurde.;
- Ihr Anteil an der Stromversorgung ist auf 14 Prozent zurückgegangen. Die Reaktoren werden in 31 der 192 UNO-Mitgliedsländer betrieben. Zwei Drittel der weltweiten Atomstromproduktion
geschieht in nur sechs Ländern, in den Atomwaffenstaaten USA, Frankreich und Russland sowie in Japan, Südkorea und Deutschland.
- Der Welt-Statusreport Atomindustrie von 2009 zeigt, dass bei einer angenommenen Betriebszeit von vierzig Jahren bis zum Jahr 2015 insgesamt 95 Reaktoren und bis zum Jahr 2025 weitere 192 AKWs vom
Netz gehen werden.
- Wenn alle derzeit im Bau befindlichen Anlagen den Betrieb aufnehmen, dann müssten bis 2015 noch 45 und bis 2025 insgesamt zusätzlich etwa 240 Reaktorblöcke mit einer Gesamtkapazität von über 200
000 Megawatt geplant, gebaut und in Betrieb genommen werden. Da die »Leadtime« – die Zeit zwischen Bauplanung und kommerzieller Inbetriebnahme – für ein AKW mehr als zehn Jahre beträgt, kann die
heute vorhandene Kraftwerksleistung kaum aufrechterhalten werden.
- In Westeuropa sind zwei AKWs im Bau, eines in Finnland und eines in Frankreich. Baubeginn des ersten Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) mit einer Leistung von 1 600 Megawatt war 2005 im
finnischen Olkiluoto. Seitdem überschatten Kostenexplosionen und Zeitverzögerungen das Projekt. Mit der Inbetriebnahme ist frühestens 2012 zu rechnen. In Frankreich wird ein EPR in Flamanville
gebaut. Baubeginn war 2007. Dieser Block sollte in 54 Monaten fertig sein. Aber auch hier ist eine Reihe von Problemen aufgetaucht. Die Kosten sind bereits um 20 Prozent gestiegen.
- Ein weltweiter Bauboom ist derzeit schon aufgrund mangelnder Fertigungskapazitäten und schwindender Fachkräfte ausgeschlossen. Nur ein einziges Unternehmen der Welt, die Japan Steel Works, ist in
der Lage, die Großkomponenten für Reaktordruckbehälter von der Größe des EPR zu schmieden. Auch die Dampferzeuger der EPR-Bauprojekte kommen aus Japan. An dieser Situation wird sich kurz- und
mittelfristig nicht viel ändern.
- Neue Atomanlagen müssten außerdem von neuem Personal betrieben werden. Industrie und Betreiber schaffen es kaum, auch nur die Altersabgänge zu ersetzen. Es fehlt eine ganze Generation von
Ingenieuren, Atomphysikern und Strahlenschutzexperten.
- RWE hat angeboten, bei Laufzeitverlängerungen mehr in erneuerbare Energien zu investieren. Damit würde aber die Vorherrschaft der großen Kraftwerksblöcke verlängert und der Ausbau von
dezentralen, umweltverträglicheren kleinen Kraftwerkseinheiten, die sich wesentlich besser mit erneuerbaren Energien kombinieren lassen, behindert.
- Das Gerede von der drohenden »Energielücke« wirkt vor diesem Hintergrund fast wie eine Kampagne für verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken und kostenlose CO2-Zertifikate für Kohlekraftwerke.
Aber nur ein schneller Ausstieg aus der Atomenergie kann den Innovationsdruck auf die Energiewirtschaft aufrechterhalten.
- Die langen Bauzeiten verursachen enorme Kosten , die kaum eine Bank finanziert. Es sei denn, der Staat steht für das Investitionsrisiko gerade.
SPON hat sich überdies in einem Artikel mit den verspielten Wachstumschancen bei Verlängerung der Laufzeiten von AKW geäußert.
Die Idee des Autors:
"Bewahrung der Schöpfung bei maximalen Profit - für die neue Regierung könnte der Umwelt- und Klimaschutz so identitätsstiftend werden wie einst für Rot-Grün. Sie müsste nur über ihren eigenen
Schatten springen. Umwelttechnologien haben das Potential, in den kommenden Jahren zum Fundament der deutschen Wirtschaft zu werden. Für sie gibt es einen geradezu explosiv wachsenden
Weltmarkt."
Aber:
"Die neue Koalition arbeitet an dieser einmaligen Chance bisher sträflich vorbei. In der Union gibt eine Fraktion der Ewiggestrigen den Ton an, der noch immer alles Grüne suspekt ist, und die
FDP fremdelt nachhaltig mit dem Zukunftsthema."
In den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP zeichnet sich derzeit ab, dass es bei dem von Rot-Grün im Jahr 2000 geschaffenen Atomausstieg nicht bleiben
wird, man hört, die Restlaufzeiten würden auf 32 Jahre verlängert. Gleichzeitig soll die Solar-Subventionierung gekürzt werden.
Dass Atomenergie in erster Linie eine Risikotechnologie ist, die auf lange Sicht auslaufen wird ("Brückentechnologie"), ist sogar bei der neuen Regierung zum Teil zumindest angekommen, wird
aber noch nicht hinreichend beachtet, wie man jetzt sieht. Es ist sogar zu befürchten, dass die Betreiber der Kraftwerke wie bislang auch pokern und auf noch günstigere Konditionen (z.B. ewige
Laufzeiten) setzen und CDU und FDP durch eine geschickt formulierte Klausel gesetzlich ermöglichen.
Es geht um Nachteile beim Uranabbau (begrenzte Vorräte, Importe, Krebsverursachung), Risken der Atomenergie (Emissionen, Krebsrisiko, kein AKW in Deutschland erhielte heute noch eine Genehmigung,
Risikoanfälligkeit alter Anlagen, deutsche AKW sind sogar im internationalen vergleich unsicher) sowie die ungeklärte Frage der Entsorgung (Zwischenlager haben Sicherheitsstandards von
Hühnerställen, Castoren strahlen, Castorbehälter sollen gerade einmal 40 Jahre halten, Asse säuft seit 20 Jahren ab, Wasser auch in Gorleben, Endlagerung ist ausgeschlossen) und die Folgen eines
atomaren Unfalls in Deutschland (GAU mit schlimmeren Folgen als Tschernobyl, keine ausreichende Evakuierung möglich, wirtschaftlicher Zusammenbruch). Schließlich dient Atomkraft auch nicht dem Klimaschutz, wie gerne behauptet wird.
Und? Gibt es außer "Billigstrom für alle" irgend ein Argument dafür, das das Risko wert ist, was mit Atomenergie eingegangen wird? Rhetorische Frage...
Soeben hörte und las ich, dass der Vorsitzende der Grünen im Saarland nach der Landtagswahl die Bildung einer sog. Jamaika-Koaltion - CDU, FDP, Grüne - anregt.
Schwarz-Grün in Hamburg funktioniert offenbar, aber Jamaika? Mit FDP und Grünen, zwei Parteien, deren jeweiliges Klientel sich spinnefeind gegenüber steht wie einst in den 80ern die Popper und Ökos
auf dem Schulhof?
Nach den Äußerngen von Hubert Ulrich ist dies dem Lafontaine-Rückzug ins Saarland geschuldet, darüber waren die Grünen ja gar nicht begeistert.
Zur Feier des gestrigen Tages - 09.09.09 - erlaube ich mir den Hinweis, soweit nicht schon hier von wem anders gegeben - dass die Apple-Sudios 13 Beatles-Alben
digital überarbeitet haben und dass diese Alben alle seit dem 09.09.09 zum Verkauf bereit liegen.
Bei der Band weiß ich nicht, wo ich anfangen und aufhören soll, mir persönlich gefällt ihre Schaffenszeit 1966-68 am besten. Und einer meiner Favoriten befindet sich auf dem Sgt.-Peppers-Album von
1967 und heißt "A Day in The Life". Kann man auch 42 Jahre später sehr gut hören.
Jaja, Eltern-Musik, lästert nur - aber eben sehr gut...
Und hier von "Revolver" (das Album, das gegenüber "Rubber Soul" einen Quantensprung darstellte), das zeitlose Stück "Eleanor Rigby" (1966):
Piraten prägen die Medienlandschaft im Jahr 2009 - im negativen Sinne im Golf und sonstwo auf den Meeren, im äußerst positiven Sinne aber in der
Parteienlandschaft.
Belächeln lohnt sich nicht, die Partei verfolgt in meinen Augen sehr wichtige Zukunftsziele und nimmt die Ideen und Vorstellungen der jungen Dotcom-Generation auf.
Als Grüner - dem diese Themen der Piratenpartei äußerst wichtig sind - stelle ich mal etwas von den Piraten vor. Ich sehe sie als neue Bürgerrechtler zwischen den Grünen und der FDP:
Um mal die Dramatik der Schäuble-Politik zu veranschaulichen, gibt es diesen Film:
:
Ich bin als Rechtsanwalt tätig, habe Familie und stehe mitten im Leben, wie man so sagt. das bringt manch Chaos mit sich... aber zum Glück auch Zeit für diese Themen: Gesellschaft, Politik, Independent- und Rock,Geschichte, Kultur, Sport, "grüne"
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